Archiv für Juli 2010

Mein Standpunkt..

Ein Kommentar zur Suche nach den Verantwortlichen der Loveparade – Katastrophe und dem medialen Einheitsbrei im Vorfeld.

Fünf Tage ist die Katastrophe auf der Loveparade alt. Langsam weicht der Trauer über das Geschehene die Wut. Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen. Die Justiz ermittelt.

Doch in der Öffentlichkeit scheint die Suche bereits beendet. Duisburgs OB Sauerland wird als ultimativer Schuldiger präsentiert. Zahlreiche Zeitungen schrieben Kommentare. Parteipolitiker legen sich ins Zeug. Der Tenor ist gleich: Der OB muss seinen Stuhl räumen.
Die Forderung mag berechtigt sein, doch sie ist verkürzt. Sie greift das Problem nicht an der Wurzel.

Da ist ein Veranstalter, der zusammen mit der Stadt Duisburg kein ausreichendes Sicherheitskonzept entworfen hat. Für den die Sicherheit seiner Gäste nicht oberste Priorität hatte. Da ist die Polizei, die zu spät und nicht ausreichend reagiert hat. Und zu guter Letzt die Medien. Was haben sie getrommelt. Bis zum Schluss für das große Highlight der Kulturhauptstadt. Jede Werbeagentur hätte ihre Freude daran gehabt. Kritische Stimmen konnten sich kaum artikulieren. Stattdessen sorgte sich die „WAZ“ sogar um das Ansehen des Ruhrgebiets, sollte die Loveparade 2010 ausfallen.

Doch der Journalismus wurde nicht geschaffen, um sich Sorgen um eine Marke, ein Label zu machen. Medien haben eine Aufgabe: Sie sollen Sachverhalte kritisch beleuchten. Das Geschacher der Macher reflektieren. Für alles andere gibt es PR – Agenturen.
Wohin ein medialer Einheitsbrei führen kann, hat die Tragödie vom Samstag auf traurige Weise gezeigt. Eine Gefahr für uns alle, für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender müssen in ihrer Berichterstattung wieder kritischer werden. Gerade dann, wenn ein Event auf den ersten Blick einen positiven Eindruck vermittelt.

Es bleibt zu hoffen, dass die Medien am Ende nicht den ultimativen Schuldigen präsentieren. Denn den gibt es nicht. Die Welt ist nicht schwarz und weiß. Ihrer eigenen Verantwortung müssen sich alle Beteiligten stellen: Stadt, Veranstalter, Polizei und gerade auch die Medien.

Sollte man gesehen haben..

Damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo genau ich stand, solltet ihr euch in dieser Galerie die Fotos 4 bis 8 ansehen:
http://www.wz-newsline.de/?redid=207207&gal=8867&galP=281643&galPS=3
Dort könnt ihr auch den jungen Mann erkennen, der an dem Kabel hing.

„Katastrophal“

Es ist 20 vor fünf am Samstagnachmittag. Ich bin auf der Loveparade. Meine Freunde und ich diskutieren, ob wir uns schon auf den Heimweg machen sollen. Einige sind dagegen, wollen noch den Dj „David Guetta“ sehen. Andere wollen nach Hause. Sind erschöpft vom tanzen und der anstrengenden Anreise. Schließlich möchte eine Mehrheit nach Hause fahren. Wir machen uns auf den Weg nach Hause und laufen zur großen Auffahrt, die in die Unterführung führt. Für uns der einzig erkennbare Ausgang. Schließlich hängen dort große bunte Schilder, die uns den Weg zu den Zügen nach Düsseldorf weisen. Wir laufen am Rand entlang der Auffahrt. Unten steht eine riesige Menschenmasse. Hinter den Bauzäunen, die einen Weg von der tiefer liegenden Auffahrt trennen, stehen ungewöhnlich viele Menschen. Ich wundere mich, denn eigentlich ist dieser Bereich gesperrt. Kurz darauf fallen uns Menschen auf, die über ein Metallgerüst in den abgesperrten Bereich klettern. So richtig versteht keiner, was in diesem Moment passiert. Wieso diese Menschen nicht einfach die Auffahrt hinauf gehen frage ich mich. Den normalen Weg. Doch eine Erklärung finde ich nicht.
Wir gehen weiter. Durch die Massen auf dem Gelände bahnen wir uns einen Weg zur Auffahrt. Zum Ausgang. Wir gehen die Auffahrt hinunter. Rechts neben uns steht eine Gruppe von jungen FDP – Mitgliedern, die Aufkleber verteilt. Ich muss lachen und überlege mir schon, ob ich der Gruppe zu 4 Prozent gratulieren soll. Doch plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Eine Polizeikette versperrt uns den Weg. „In der Unterführung geht nichts mehr. Die Leute die rein und raus möchten, haben sich verkeilt. Ihr könnt hier nicht weiter“, sagt ein junger Polizist. Doch der Wille nach Hause zu kommen ist stärker und die Polizeikette eine Farce. Auf der linken Seite der Kette ist eine zwei Meter große Lücke, zwischen einem Polizisten und einer Mauer. Wir gehen weiter hinunter. Am Ende der Auffahrt steht eine riesige Menschenmasse. Die Menge bewegt sich weder nach vorne noch nach hinten. Sie steht. Menschen versuchen die Wände zu erklimmen, um der Masse zu entkommen. Sie flüchten über eine kleine Treppe oder ein Metallgerüst. Beide führen auf das Gelände. So näher wir kommen, um so bedrückender werden die Bilder. Die Flucht über die Treppe ist chaotisch. Sie ähnelt einem Kampf auf Leben und Tod. So sehr zerren die Leute aneinander, um der Masse zu entkommen. Ordner und Polizisten ziehen Leute aus der Menge hinauf auf die Treppe. Doch alle Beteiligten wirken überfordert. Polizisten beobachten von oben die Szenerie. In der Menschenmenge ist ein Polizeiauto zu erkennen. Christian, ein Freund aus meiner Gruppe, will in die Unterführung gehen. Er will endlich nach Hause. Doch wir können ihn davon abhalten. Menschen klettern auf einen Container und weiter über eine Wand auf das Gelände. Ein Polizist hilft und versucht, Menschen auf den Container zu ziehen. Doch der Container ist total überfüllt. Eine andere Szene fesselt unseren Blick. Ein junger Mann, nicht älter als 25 Jahre, versucht an einem dünnen Kabel die Mauer empor zu klettern. Zwei, drei Meter schafft er es. Dann stürzt er in die Menge.
Nach und nach kommen weinende und schreiende Menschen aus der Menge. Manche humpeln. Andere heulen. Einige Polizisten der Hundertschaft rennen an uns vorbei in die Menge . „Haut ab! Geht nach oben!“, schreien sie. Wir schauen uns noch kurz um, dann wird uns die Situation zu gefährlich. Wir gehen. Was genau geschehen ist, verstehen wir nicht
Die Floats ziehen ihre Runden. Das Partyvolk feiert. Wir bahnen uns einen Weg zum Notausgang. Von dort geht es zurück in Richtung der Unterführung. An einer größeren Öffnung der Unterführung stolpern wir mit vielen anderen einen Abhang hinunter in die Unterführung. Polizisten sind uns behilflich. In der Unterführung bietet sich ein schreckliches Bild. Etliche Rettungswagen stehen im Tunnel. Sanitäter und Ärzte laufen umher. Ein Mädchen schreit und weint. Sie muss von Freunden weg getragen werden. Ein Junge liegt zitternd am Boden. Sanitäter versorgen ihn. Für ein Mädchen aus der Gruppe ist das alles zu viel. Mira beginnt zu weinen.
Auf dem Weg zum Bahnhof kommen uns weitere Rettungswagen entgegen. Marius kann nur den Kopf schütteln. „Katastrophal“, sagt er. Alle rufen ihre Eltern an. „Ja, mir geht es gut. Macht euch keine Sorgen“, können meine Freunde und ich unsere Eltern beruhigen. Inzwischen sind wir am Hauptbahnhof angekommen. Nach Gesprächen mit den Eltern ist klar, es hat Tote gegeben. Die Stimmung sinkt unter den Nullpunkt. Dann endlich sitzen wir im Zug. Der Zug setzt sich in Bewegung. Wohin ist egal. Hauptsache weg ist das Motto der Stunde. Wir fahren vorbei an der Loveparade. Laute Technomusik wummert. Die Szenerie wirkt surreal.

fight fortress europe

Folgender Text war ein Redebeitrag zu einer Demo in M´gladbach gegen die Festung Europa und stammt aus meiner „guten alten Zeit“.

Das Boot ist voll! Und meiner Meinung nach viel zu voll! So voll, das niemand sicher sein kann, ob alle wieder heil heraus kommen! Keine Sorge, ich rede hier nicht vom Bott Europa, welches ganz gewiss keines ist! Ich rede hier von einem der Boote, die tagtäglich versuchen die Mittelmeer- und Atlantikküsten der Europäischen Union zu erreichen!
Die Fahrt übers offene Meer endet nicht selten in einer Tragödie. Die Boote sind kaum größer als gewöhnliche Fischkutter,wenn überhaupt, und immer vollgestopft bis zum letzten Platz! 400 Flüchtlinge auf einem 25 Meter großen Kutter sind keine seltenheit! Lebensmittel und Wasser ausreichend für alle: Fehlanzeige! Wen wundert es da noch, dass es bei jeder überfahrt Tote gibt. Noch schlimmer, wenn die Kutter auf offener See kentern. Werden die Flüchtlinge nicht früh genug aus dem Wasser gezogen, bleibt den meisten nur noch ein nasses Grab. Das skandalöse Verhalten der EU-Behörden reichte sogar soweit, dass die Mannschaft eines spanischen Fischkutters, welche die Flüchtlinge rettete, wegen Schlepperei angeklagt wurde!
Erreicht ein Boot unter diesen schwierigen Umständen dann doch europäische Küsten, ist es voll mit halb verhungerten und verdursteten Menschen. Die Fernsehbilder von Flüchtlingen, die in diesem Zustand an einem Urlauberdtrand auf den Kanaren landeten, dürften den meisten von uns noch im Gedächtnis haften!
Kurz nach ihrer Ankunft am Strand und meist medizinischer Betreuung werden die Flüchtlinge dann auch schon in sogenannte Flüchtlingslager gebracht. Als Beispiel für diese und die oft skandalösen Zustände kann ein Flüchtlingslager in Malta benannt werden. Als dort Mitte 2006 400 Flüchtlinge an der Küste landeten, wurden sie von den Maltesichen Behörden in ein Lager gesteckt das eigentlich nur Platz für 200 Menschen bietet. Weiterhin zu erwähnen sei, dass in dem Lager bereits 200 Menschen lebten!
Landen die Flüchtlingen nicht in einem der Lager, werden sie oft direkt wieder abgeschoben, oder leben zumindestens in ständiger Angst davor, wen sie es überhaupt schaffen den Lagern zu entkommen.
Sind es an den EU Außengrenzen die sichtbaren Hindernisse für Flüchtlinge so sind es im inneren der EU Repressalien wie Meldepflicht oder ein Arbeitsverbot!

Ganz bewusst werden Flüchtlinge in Deutschland in Asylantenheime gesteckt und so an den Rand der Gesellschaft gedrängt! Oder warum heißen im „Volksmund“ solche Behausungen auch schnell Assilantenheime? Ganz bewusst wird vermieden, das sich ein Integrationsprozeß oder gar gesellschaftliche Partizipation entwickelt. Ohne Geld, Rechte und soziale Bindungen, deklariert als Illegaler und Ausländer in einer Gesellschaft, leben sie fortan in ständiger Angst, abgeschoben zu werden.

Die Motive für die Flucht nach Europa sind oft das, was man wie man so schön sagt, als Lebensgrundlage bezeichnet. Folter Hunger Krieg und Vertreibung berauben den Menschen oft jeglichen existentiellen Lebensgrundlagen. Ganze Dörfer in Afrika überleben heute nur noch, weil die jungen Männer nach Europa gehen und das dort verdiente Geld ihren Familen schicken! Und trotzalledem ist Europa nicht gewillt die Flüchtlinge aufzunehmen! Was auch garnicht möglich wäre, den Nationalstaaten sollen nunmal die Interessen „ihrer“ Bevölkerung wahren. Und wie wir alle wissen, ist das Boot ja nun wirklich voll genug für viele unserer Mitmenschen! Kein Wunder das sich die EU nach ausen hin immer weiter abschottet, das Spanische Eiland in Nordafrika z.b. mit zwei 6 Meter hohen Stacheldraht Zäunen!
Menschen werden dort erschossen, weil sog. BürgerInnen der 1sten Welt meinen, das Recht zu haben, dadrüber entscheiden zu können wer nach wohin kommen darf und wer nicht! Ich bin jedoch der Meinung, das niemand auf dieser Welt, egal in welcher Stellung er/sie ist, das Recht hat, anderen Menschen Vorschriften machen zu können. Besonders dann nicht, wenn es um das Recht auf globale Bewegungsfreiheit geht.
Deshalb:
no border – no nation

fight fortress europe

Gleiche Rechte für alle

Vergessenes Erbe

Das südostasiatische Laos ist das meist bombardierte Land der Erde. Jährlich sterben 300 Menschen an den Folgen der amerikansichen Bombardements. Im Fokus der Weltöffentlichkeit steht Laos deswegen nicht.

Acht Jahre ist der Tag her, an dem Dams Leben fast ausgelöscht wurde. Da war Dam gerade sieben Jahre alt. Mit Freunden wollte er im Wald Honig sammeln. Unterwegs fand er eine der in Laos verteilten Streubomben. Eine von vielen Millionen, die kaum größer als ein Apfel sind. Dam nahm die Bombe und warf sie gegen ein Stück Holz. Nichts. Keine Explosion. Seine kindliche Neugier hatte gesiegt. Er probierte es wieder. Diesmal explodierte die Bombe. Dam wurde schwer verletzt. Er trug tiefe Schnittwunden, einen Bruch und zahlreiche innere Verletzungen davon.
Dam hat damals Glück gehabt. Ein Team der Hilfsorganisation Handicap International war in der Nähe. Er wurde erstversorgt, danach flog man ihn in ein Krankenhaus nach Thailand aus. Heute kann er wieder lachen und sein Leben ohne körperliche Beeinträchtigungen führen.
Dam ist nur eines von mehr als 100000 Streubomben – Opfern in der Volksrepublik Laos. Er gehört zu einer der größten Opfergruppen, den Kindern und Jugendlichen. Ein Drittel der Streubomben – Opfer, so schätzen Hilfsorganisationen, haben zum Zeitpunkt des Unfalls das achtzehnte Lebensjahr nicht vollendet.
Laos gilt mit mehr als 2.1 Millionen Tonnen abgeworfener Bomben, davon 260 Millionen Muniton Streubomben, als der meist bombardierte Staat der Erde. Parallel zum Vietnamkrieg flogen amerikanische Kampfflugzeuge ohne Zustimmung des U. S. Senats 530000 Angriffe auf Laos. Im Fokus der Militäroperation: laotische Kommunisten und der durch Laos führende Ho – Chi – Min Pfad. Über Laos führte das Wegenetz in den gegen U. S. Streitkräfte kämpfenden Südvietnam und versorgte die dortigen Kämpfer mit Waffen und Lebensmitteln. Doch die Bombardements verfehlten ihr Ziel. Weder der Nachschub in den Vietkong noch ein kommunistischer Staat in Laos konnten verhindert werden. Im Einparteienstaat Laos regieren heute Kommunisten.
Geblieben sind nur die Bomben. Knapp 30 Prozent der abgeworfenen Streubomben sollen nicht explodiert sein. Ein Großteil der Provinzen gilt heute als von Streubomben verseucht. Den Agrarstaat Laos trifft das besonders hart. Täglich riskieren die Menschen auf den Feldern und Wiesen ihr Leben. Ernten können nur schwer eingeholt werden. Der Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur scheitert immer wieder an den rostigen Blindgängern. Noch viele Jahre werden die Streubomben das Land am Mekong begleiten und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes im Wege stehen.
Denn obwohl internationale Hilfsorganisationen Laos seit Jahren von den Blindgängern säubern, konnten bisher gerade einmal 0.9 Prozent der rostigen Überbleibsel entfernt werden. Den Räumtrupps der UN oder von Handicap International fehlt es am Personal oder am Geld, meistens aber an beidem, um die systematisch abgeworfenen Streubomben zu entfernen. Die Finanzierung der Räumaktionen übernimmt der Entwicklungsfond der Vereinten Nationen. Der Verursacher der Blindgänger, die USA, haben sich bislang nicht an Hilfszahlungen beteiligt. Auch den Opfern der explosiven Rückstände zahlen die USA bis heute keine Entschädigung. Stattdessen hilft auch hier die UN. Wer nach seinem Unfall in eine der wenigen weit verstreuten Arztpraxen gebracht werden kann, darf anschließend auf baldige Genesung im nationalen Rehabilitierungscenter hoffen. Kooperativ von der UN und dem laotischen Staat betrieben, befindet sich dort eine für Laos einzigartige medizinische Betreuung. Im Center können die Patienten zum Beispiel individuell mit Prothesen ausgestattet werden und erlernen zusammen mit Experten den Umgang mit ihren künstlichen Körperteilen.
Für Dam war ein Aufenthalt im Center nicht nötig. Nur Narben erinnern ihn noch an seinen Unfall. Das Erbe der Amerikaner jedoch bleibt Dam und den Laoten noch Jahrhunderte erhalten. Auch wenn es der Rest der Welt vergessen hat.